Scrum is a Method, Agile is a Mindset

Der letzte sgaop-Mitgliederevent dieses Jahres unter dem Jahresthema „Change“ durfte bei der Firma Adcubum am Standort St. Gallen stattfinden. Die Frage ist natürlich, wie der Event bei Adcubum mit unserem Jahresthema „Change“ in Verbindung steht:
Agile Unternehmen streben an, den Wandel im organisationalen Alltag zu integrieren und zur Routine werden zu lassen. Man möchte als Unternehmen in der Lage sein, sich rasch anzupassen und mögliche Chancen wahrzunehmen.

Rene Janesch, CEO von Adcubum
Geri Storz, Direktor Business Administration
Andreas Pichler, Leiter Produktmanagement
Mathias Spirig, Scrum Master

haben sich die Zeit genommen, uns die Firma und ihr agiles Arbeiten ein Stück näherzubringen.

Agilität @ Adcubum
Seit 1997 bietet Adcubum als Marktführer Kranken- und Unfallversicherungen die Standardsoftware Adcubum SYRIUS an. Die Software deckt alle Kernprozesse von Offerte, Policierung, Provisions- und Schadenabwicklung bis hin zu Exkasso ab. Adcubum hat den Schritt in Richtung Agilität gewagt und hat vor noch nicht so langer Zeit einen ganzen Bereich auf Scrum umgestellt. Scrum ist ein Framework für das Management agiler Softwareprojekte1, das oft in der Softwareentwicklung eingesetzt wird.

Dafür hat es einen gut durchdachten Change Prozess gebraucht, der nicht nur die Organisationsstruktur im Fokus hatte, sondern auch andere Bereiche des Unternehmens, wie die Projektarbeit, die Zusammenarbeit, das Führungsverhalten, usw. tangierte. Agilität ist ein Wettbewerbsfaktor, um schnell auf die erhöhte Dynamik des Marktes, die wechselnden Kundenanforderungen sowie den gesellschaftlichen und technologischen Wandel zu reagieren. Dafür wird eine sehr schnelle Time-to-Market und somit ein Umdenken in der Produktentwicklung vorausgesetzt. Diese Herausforderungen haben den St.Galler Softwarehersteller dazumal zum Schritt in Richtung Agilität bewogen.

Nachdem bereits ein Entwicklungsteam ein Jahr lang nach Scrum gearbeitet hatte, legte Adcubum per 1. Januar 2014 den Hebel im ganzen Unternehmen um. Heute entwickeln mehr als 20 Scrum Teams an acht Standorten agil adcubum SYRIUS.

Projekte, die nach der alten Entwicklungsmethode angegangen wurden, mussten sehr früh sehr detailliert geplant werden, was sich in der Praxis als unrealistisch und unpraktisch erwies. Mit der agilen Arbeitsweise jedoch hatte man eine Möglichkeit gefunden, flexibler zu werden. Die Verantwortung für Produkte ging an die einzelnen Teams, welche die Software täglich (weiter-)entwickeln. Innert einer Zeitspanne von zwei Wochen, den sog. Sprints, stellt jedes Team neue Funktionalitäten der Software zu, welche den Kunden gezeigt werden und die Kunden ihr Feedback dazu geben können. Aus der Diskussion mit den Kunden können sofort Anpassungen usw. vorgenommen werden. Es kommen monatlich über 500 Änderungswünsche von Kunden, die nur auf diese Weise flexibel angegangen und umgesetzt werden können.

Hier in der Agile Arena der Adcubum, ein technisch top ausgestatteter Raum, tauschen sich die Stakeholder der verschiedenen Teams aus. Der Raum eignet sich auch gut für Sitzungen mit Teilnehmenden aus den verschiedenen Standorten. So viele Post-ist! Andreas Pichler zeigt uns hier, wie die verschiedenen Arbeitsprozesse und die Innovationspipeline bei Adcubum aussehen.

Die Agile Arena wurde vor 2 Jahren gebaut, ohne wirklich zu wissen, wie der Raum aussehen würde.

 

„Experimente müssen zugelassen werden!“ (Andreas Pichler, Project Manager)

Scrum Methodik

„Scrum zu lernen ist einfach, Scrum zu leben ist hart,“ heisst es gemäss Adcubum. Vor dieser Herausforderung standen sie zu Beginn der agilen Transformation und da stehen sie noch heute.

Auch nach der Umstellung zu Scrum geht die Arbeit immer weiter. Personen, die mit Scrum in Berührung kommen, müssen diese Arbeitsweise verstehen und die gleiche Denkweise von „Agile“ entwickeln.

Mathias Spirig, Scrum Master von momentan zweier Scrum Teams, erläutert uns, dass seine Funktion als Scrum Master dem „Servant Leadership“ nahekommt. Er schützt das Team von aussen, er fördert die Zusammenarbeit im Team und er sorgt dafür, dass die interne Kommunikation funktioniert.

Mathias Spirig zeigt uns die Vorteile der Scrum Methode. Vorher wurde an einem Produkt lange gearbeitet bevor das Produkt dem Kunden gezeigt wurde. Er beschreibt diesen Prozess anhand eines einfachen Beispiels: „Zuerst wird ein Rad entwickelt, dann das zweite. Anschliessend das Lenkrad und irgendwann steht das Auto. Bis das Auto fix und fertig ist, kann der Kunde nichts mit den Zwischenresultaten anfangen. Es gab dann Resultate, die überhaupt nicht den Vorstellungen der Kunden entsprachen. Somit wurden wertvolle Ressourcen nicht optimal genutzt. Mit der neuen Arbeitsweise bei Adcubum beschreibt er den Prozess folgendermassen: Dem Kunden wird ein Skateboard präsentiert, danach ein Velo, danach ein Mofa, zum Schluss ein Auto. Alle diese Produkte konnten bereits eingesetzt werden, wurden aber immer wiederoptimiert, bis man dem „Wunschprodukt“ nahegekommen ist. Diese Vorgehensweise nennt man „rapid prototyping“. Damit sind auch Simulationen oder ein direktes Testen am Markt ohne grosses Budget möglich.

Ein Scrum Team nutzt diese ganze Wand, um den Stand verschiedener Projekte zu visualisieren.

Bereich Sales

Damals ahnte man nicht, dass sich die Agilität immer weiter im Unternehmen ausbreiten würde. So arbeitet seit Januar 2017 auch das Sales-Team nach agilen Methoden und in den verschiedenen Scrum-Teams haben sich die Prozesse gut etabliert. Hier zeigt uns René Janesch, CEO, vor dem Rundgang den TripleFit Canvas mit neun Feldern, wie z.B. Strategie, Prozesse, Struktur, Kommunikation usw. Damit wird der Zustand der Kundenbeziehungen anhand verschiedener Kriterien visualisiert. Damit wird das Ziel verfolgt, die Beziehung zum Kunden in Bezug auf ganz spezifischen Dimensionen zu verbessern und Sales-Erfolge zu optimieren.

Nach dem Rundgang durch die Räumlichkeiten von Adcubum gab es die Möglichkeit beim Apéro die Gespräche zu vertiefen und Fragen zu stellen.

An dieser Stelle hoffe ich, dass alle Teilnehmenden profitieren und den Event geniessen konnten. Im Namen des Vorstandes bedanke ich mich bei Adcubum und bei den zahlreichen Teilnehmenden.

Dolores Arias
sgaop-Vorstandsmitglied

 

Quellen
1 Wirdemann, R. (2009). Scrum mit User Stories. München: Hanser.

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