Auf dieser Seite werden Porträts verschiedener Mitglieder der sgaop vorgestellt. Damit möchten wir die verschiedenen Facetten und Arbeitsfelder unseres Berufsstandes illustrieren.

Mitglieder, die sich mit einigen Infos zu ihrer Person und ihrem beruflichen Werdegang als Arbeits- und Organisationspsychologe oder -psychologin porträtieren lassen möchten, können sich gerne melden unter: info@sgaop.ch

 

Joachim Hoffmann

Aktuelle berufliche Tätigkeit:

Selbständiger Coach und Trainer für Führungskräfte und Teams, Inhaber Hoffmann Coaching in Zürich seit 1999 http://www.hoffmanncoaching.ch

Berufsabschluss:                          

Lic. phil. hist. Uni Bern in Arbeits- & Organisationspsychologie und Sozialpsychologie

Erzählen Sie uns…

…etwas zum Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit:

Mein Beruf besteht darin, Führungskräfte und Teams zu unterstützen bei Veränderungen und Problemlösungen. Firmen, Weiterbildungsinstitute und Einzelpersonen buchen mich als Coach, Teamcoach oder Seminarleiter. Inhaltlich geht es oft um Fragen der Zusammenarbeit, Kommunikation, Konfliktlösung und Ähnlichem.

…eine spezielle Herausforderung, Lernerfahrung oder überraschende Geschichte aus Ihrer beruflichen Praxis als A & O Psychologin oder Psychologe:

Das Millennium war noch frisch und meine Coachkarriere auch. Einige KollegInnen hatten eine Interessengruppe, die International Coach Federation Schweiz, gebildet. Man traf sich monatlich zum Netzwerken und genoss ein Impulsreferat. Und so eins habe ich erteilt, freiwillig, unentgeltlich. Mein Thema: konstruktive Kritik – kritisieren ohne zu verletzen – auf Englisch of course.

Ich hätte mir denken können, dass die Gruppe sich noch in einer Storming-Phase befand. Und da kommt ein Frischling daher und exponiert sich als Experte in einem Thema, zu dem viele etwas zu sagen haben. Für den Höhepunkt meines Auftritts, die Live-Demonstration der konstruktiven Kritik, wählte ich einen älteren, interessant wirkenden Mitmenschen aus dem Raum. Ich beginne seinen Körpergeruch zu kritisieren, meinen unfehlbaren Schritteplan kristallklar vor Augen. Doch er versteht mein Anliegen nicht, blockt ab, regt sich auf, macht zu. Meine Methode… sie greift nicht. Ich fahnde nach der Zahlenkombination für die Panzertür, vor der mich mein Kollege auflaufen lässt. Zeitgleich versuche ich meine Nervosität zu verbergen, während der Raum vor Spannung fast platzen will! Mir wird schwarz vor Augen und dann wird es gleich wieder hell. «Übungsabbruch – Timeout». Ich beende die Demo. Durchatmen… die Spannung verfliegt sofort. «Whatever I tried did not work out! I failed!», bekenne ich, nehme eine aufrechte Haltung ein und frage in den Raum. «What would have been helpful?» Nun hilft die Runde, bringt gute Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge. Der Gesprächspartner winkt immer noch ab und gibt dann die Lösung selber preis: Empathie! Er hatte auf einen Beweis gewartet, dass ich mich für seine Gefühle und Bedürfnisse aufrichtig interessierte. – Aha! Eigentlich einfach. Autsch!

Nun kommt das Schöne am ganzen… und gleich doppelt:

1) Am Ende des Anlasses bietet mir ein Teilnehmer einen Auftrag bei der Swisscom als Teamcoach an. Verwundert frage ich ihn, wieso er mir das nach diesem Grounding zutraue… Nicht der erste Teil, sondern der zweite Teil habe ihm imponiert. Ich hatte eine schwierige Situation aufgefangen und in Kürze günstig transformiert. Genau diese Fähigkeit suchte er. Wow.

2) Ohne meinen strengen Demo-Partner hätte ich meinen Schritteplan nicht um die Dimension der Empathie erweitert. Ich machte mich fit in gewaltfreier Kommunikation bei Marhall B. Rosenberg und profitiere seit 15 Jahren davon in meiner Arbeit als Trainer und Coach.

…wie lange Sie Mitglied der sgaop sind, wie Sie zum ersten Mal mit dem Verband in Kontakt gekommen sind, was Ihnen an der sgaop besonders gefällt und was Sie sich zukünftig von der sgaop wünschen würden.

In Kontakt mit der SGAOP kam ich vor 20 Jahren als Studienabgänger. Mein Professor, Norbert Semmer, hat mir die Mitgliedschaft empfohlen.

Ein Highlight war für mich eine schöne persönliche Begegnung mit Prof. Lutz von Rosenstiel, der an einer SGAOP-Tagung zum Thema transformationale Führung referiert hatte und die Pause an meinem Stehtisch verbrachte.

Was ich mir von der SGAOP wünsche? – Gar nichts, denn ich bin zufrieden und sage einfach: danke – bitte weiter so.

 

 

Rahel Gugerli

Aktuelle berufliche Tätigkeit:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Berufsabschluss:  

Arbeits- und Organisationspsychologin (Master of Science)

 

Erzählen Sie uns…

…etwas zum Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit:

Ich forsche an der FHNW im Bereich Sicherheit & Zuverlässigkeit von komplexen soziotechnischen Systemen, wie es beispielsweise Kernkraftwerke und Organisationen der Luftfahrt sind. Ziel ist die Aufrechterhaltung und weitere Förderung der Sicherheit, so dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen. Dazu müssen Mensch, Technik und organisationale Strukturen optimal aufeinander abgestimmt sein – was aufgrund der Komplexität dieser Systeme gar nicht so einfach ist. Genau da leisten unsere Forschungsprojekte einen Beitrag. Meine Aufgaben in diesen Projekten sind typische Tätigkeiten wissenschaftlichen Arbeitens: nach Erkenntnissen wissenschaftlicher Studien recherchieren, Daten erheben und analysieren, Lösungen für konkrete Problemstellungen entwickeln und testen, aber auch Ergebnisse der eigenen Arbeit publizieren und Vorträge halten.

…eine spezielle Herausforderung, Lernerfahrung oder überraschende Geschichte aus Ihrer beruflichen Praxis als A & O Psychologin oder Psychologe:

Interdisziplinäre Zusammenarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch als Arbeits- und Organisationspsychologin ist man vielfach interdisziplinär tätig. Es gibt zahlreiche Untersuchungen zu Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation, wie beispielsweise eine offene Haltung gegenüber der Expertise anderer Disziplinen oder eine gemeinsame Sprache. Ich finde, eine gute Voraussetzung liegt auch in positiven Erfahrungen mit interdisziplinärer Zusammenarbeit. Eine solche Erfahrung habe ich letzthin mit einer Projektgruppe von Informatikstudierenden gemacht, die mich für eine Schulung in der Anwendung sozialwissenschaftlicher Methoden angefragt hat. Im Rahmen deren Projekts zur Entwicklung einer App für die Abwicklung von Patientendaten war der erste Schritt die Durchführung einer Analyse der Anforderungen an die Software. Als geeignetes Vorgehen wurde das Führen von Interviews mit potenziellen Usern bestimmt – nur bestand bei den Informatikstudierenden kaum Wissen darüber, wie Interviews geführt und systematisch ausgewertet werden. Im Zentrum der Schulung stand daher das Kennenlernen verschiedener Formen von Interviews, die Entwicklung eines Interviewleitfadens, Techniken der Gesprächsführung und die Datenauswertung durch Transkription und Kategorisierung von Textstellen unterstützt durch MAXQDA, eine Software für qualitative Datenanalyse. Und zugegeben, MAXQDA hat sie auch ein wenig beeindruckt. Aber das eigentliche Schlüsselerlebnis war der Moment, in dem sich herausgebildet hat, dass mein Knowhow dem Projekt einen spürbaren Mehrwert bringen würde. Dieses Learning nehme ich gerne mit, mit dem Ziel, bei künftigen interdisziplinären Kooperationen möglichst früh ein solches Schlüsselerlebnis und damit eine positive Erfahrung zu schaffen. Um die Geschichte noch abzurunden: Die App, die auf Basis der definierten Anforderungen programmiert wurde, befindet sich inzwischen in der Testphase und stösst bei den Usern auf positive Resonanz.

…wie lange Sie Mitglied der sgaop sind, wie Sie zum ersten Mal mit dem Verband in Kontakt gekommen sind, was Ihnen an der sgaop besonders gefällt und was Sie sich zukünftig von der sgaop wünschen würden.

Ich bin seit 2016 Mitglied bei der SGAOP. Erstmals in Kontakt mit dem Verband kam ich über ein Vorstandsmitglied, mit dem ich bei meinem letzten Arbeitgeber zusammengearbeitet habe. Was mir an der SGAOP besonders gefällt, ist die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung im Verband und damit auch der Mitgestaltung der öffentlichen Wahrnehmung der Arbeits- und Organisationspsychologie. Ich wünsche mir, dass die SGAOP einen kritisch-reflexiven Austausch unter den Verbandsmitgliedern zu aktuellen Themen wie den digitalen Wandel fördert, der unsere Arbeits- und Lebenswelt nachhaltig verändert und eine Mitsprache unserer Disziplin erfordert.