Bericht Mitgliederanlass bei der SECO am 4.7.2018

Hintergrund

Das SECO ist das Kompetenzzentrum des Bundes zu allen Fragen der Wirtschaftspolitik. Sein Ziel ist es, für nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu sorgen. Dafür schafft es die nötigen ordnungs- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Darunter fällt auch das Arbeitsgesetz und damit der Schutz der Arbeitnehmer in Bereichen wie der physischen und psychischen Gesundheitsprävention und -förderung für Arbeitnehmer; “Der Arbeitgeber muss alle Massnahmen treffen, die nötig sind, um den Gesundheitsschutz zu wahren und zu verbessern und die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten” (ArGV 3 Art.2 Grundsatz).

Um die Umsetzung dieses Arbeitsgesetzes zu gewährleisten, setzen die Kantone Arbeitsinspektoren ein, welche die Einhaltung des Gesundheitsschutzes in den Unternehmen überwachen. Die Aufsicht dieser Arbeitsinspektoren obliegt dem SECO.

Fokus: Psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz

Während der letzten vier Jahre haben die Arbeitsinspektoren den Schwerpunkt ihrer Arbeit im Rahmen eines sogenannten «Volllzugsschwerpunkts» auf das Thema «Psychosoziale Risiken am Arbeitsprlatz» gelegt. Die meisten Arbeitsinspektoren haben einen technischen oder naturwissenschaftlichen Ausbildungshintergrund. Somit übernimmt das SECO die Aufgabe, die Arbeitsinspektoren im Hinblick auf das Thema psychosoziale Risiken zu schulen und zu sensibilisieren. Auf folgende Beispielfragen sollten die Inspektoren zu antworten wissen: Wie spreche ich im Betrieb psychosoziale Risiken an? Wie kann der Betrieb psychosoziale Risiken erkennen? Wie können stressbedinge Unfälle und Krankheiten vermieden werden? Die vier Jahre des Vollzugsschwerpunktes «Psychosoziale Risiken» neigen dem Ende zu. Mit der am Anlass vorgestellten einer Studie hat  das SECO den Erfolg des Vollzugssschwerpunkts  evaluiert.

Erkenntnisse aus der SECO Studie

Rafaël Weissbrodt, Autor der Studie und SECO-Mitarbeiter, prüfte, wie sich die Arbeit der Arbeitsinspektoren auf die Prävention der psychosozialen Risiken in den besuchten Betrieben ausgewirkt hat. Demnach hat rund ein Drittel der Unternehmen aufgrund der Beratung und Sensibilisierung sowie vereinzelter Anordnungen der Inspektoren Massnahmen eingeführt:

  • Es wurden Verbesserungen im Sicherheits und Gesundheitsschutzmanagement eingeführt
  • Es wurden Kompetenzen und die Handlungsbereitschaft in den Firmen erhöht
  • Es wurden Managementmassnahmen wie beispielsweise eine Charta oder ein Verfahren in Konflikt- und Mobbingfälle eingeführt
  • Etc.

Die Studie zeigte jedoch auch, dass Firmen Stress, Burnout oder Mobbing oft als individuelles Problem der Mitarbeiter sehen. Diese Ansicht verhindert, dass die Arbeitsbedingungen und organisationale Faktoren kritischer geprüft werden. Zudem zeigte die Studie, dass auch die Angestellten nach den Besuchen der Inspektoren nicht verstärkt einbezogen worden sind.

Und gemäss Studie wären genau diese Aspekte wichtig: Psychosoziale Risiken können verringert werden, wenn Risiken nicht nur als Ursache von persönlichen Problemen  sondern auch als Ursache von arbeitsorganisatorischen Faktoren gesehen werden.

Das  SECO nutzte den Anlass am 4.7., um der Frage nachzugehen, welche Massnahmen dem Vollzugsschwerpunkt einen nachhaltigeren Erfolg hätte bringen können.

Diskussion am Anlass

Gut 30  Mitglieder der sgaop trafen sich am 4.7. in den Räumlichkeiten des SECO. Rafaël Weissbrodt, Stefanie Lauterburg und Margot Vanis ermöglichten uns einen spannenden Einblick in die Studie und generell in den Berufsalltag der Arbeitsinspektoren. Im Anschluss setzten wir uns an vier Tischen mit den folgenden Fragen auseinander:

  1. Was können das SECO und die Arbeitsinspektoren tun, damit Arbeitgeber offener sind, die Arbeitsbedingen kritisch anzugehen?
  2. Was können das SECO und die Arbeitsinspektoren tun, um die Arbeitgeber zu motivieren, ihre Angestellten bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen stärker einzubeziehen?
  3. 140 Arbeitsinspektoren stehen ca. 500 000 Betrieben gegenüber: Wie kann die Resonanz der Arbeit der Arbeitsinspektoren erhöht werden?
  4. Was können Sie (die Teilnehmenden der sgaop) in ihrer Funktion dazu beitragen, dass die Mitarbeitenden stärker in die Prävention einbezogen werden?

Fazit für Arbeits- und Organisationspsychologen

In der Diskussion unter unseren Mitgliedern erkennen wir die Komplexität des Themas und der Überprüfungsfunktion der Arbeitsinspektoren. 140 Arbeitsinspektoren auf 500 000 Unternehmen ergeben im Durchschnitt einen Unternehmensbesuch alle 40 Jahre!

Eine Möglichkeit, um Unternehmen stärker auf das Thema psychosoziale Risiken zu sensibilisieren, könnte sein, dass die Arbeitsinspektoren vermehrt auf bereits bestehende Online-Tools hinweisen, welche helfen psychosoziale Risiken wie Stress in der Arbeit zu erfassen. Weiter wäre es hilfreich, wenn eine enge Zusammenarbeit mit internen  oder externen Präventions-Fachleute, resp. Arbeits- und Organisationspsychologen stattfindet, damit die in der Inspektion festgehaltenen psychosozialen Risiken mit geeigneten Massnahmen systematisch vermindert werden können. Zudem ist es sicherlich hilfreich, wenn die Arbeitsinspektoren noch verstärkt mit arbeits- und organisationspsychologischem Know How ausgestattet würden. Das kann ihnen helfen, die besuchten Unternehmen im Hinblick auf die Arbeitsgestaltung und das Vorhandensein psychosozialer Risiken genauer einzuschätzen.

Abschliessend stellt sich unseren Mitgliedern folgende Frage: Würde es Sinn machen, wenn auch Arbeits- und Organisationspsychologen Zugang zu der Ausbildung als Arbeitsinspektor erhielten? Wir denken ja, die bereits bestehende Vielfalt an Hintergrundwissen und Kompetenzen der Arbeitsinspektoren würde durch einen vermehrten Einfluss und Teilnahme von Arbeits- und Organisationspsychologen sicherlich profitieren können.

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