Neues Eventformat prototyping@sgaop

Die Resignationsmaschine

Prototyping@SGAOP ist ein neues Eventformat, welches Mitgliedern der SGAOP ermöglicht, Instrumente, Ideen, Methoden auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Der Start machte die Resignationsmaschine am 27. August im Volkshaus Zürich, von der dieser Artikel handelt. Am 19. November testen wir die App des Ed Tech Startups Flourister, welches uns seinen Ansatz zu organisationalem Lernen zeigt. Wer hat ebenfalls Prototypen in seiner Werkzeugbox, die nicht reif für den harten Einsatz sind, aber doch irgendwie vielversprechend? Dann melde dich bei info@sgaop.ch um eine Prototyping@SGAOP Session zu organisieren.

Eine Gruppe unerschrockener SGAOP Mitgliedern nahm die Herausforderung an und spielte eine Partie gegen die Resignationsmaschine. Das erklärte Ziel der Maschine ist, Resignation zu erzeugen, während die Spieler mit geschickten Manövern dagegenhalten müssen.

Die Maschine eröffnet die Partie mit dem Satz: «Mein Teamkollege Franz behandelt mich total unfair». Dies löst sogleich die Diskussion bei den Anwesenden aus, welche Antwortkarte man da spielen soll. Nach einer längeren Diskussion über Strategien einigt man sich auf: «Wie soll ich dich bei der Lösung unterstützen?» was die Maschine prompt mit einem: «Der lässt mich mit meinem Problemen alleine!» quittiert.

Erfunden wurde die Resignationsmaschine an einer Führungsklausur eines grösseren Schweizer Dienstleistungsbetriebes: Die Führungskader bearbeiteten Themen in Gruppen. Parallel dazu hatte die GL eigentlich auch einen Arbeitsauftrag. Stattdessen diskutierten sie darüber, welche der Gruppen es sowieso nicht schaffen würde, das Thema zielführend zu bearbeiten. «Ihr habt ja eine Resignationsmaschine in Betrieb» war meine spontane Intervention, und ich skizzierte ihnen den Grundmechanismus:
1. Delegieren in der Überzeugung, die schaffen es sowiseso nicht.
2. Kurz darauf die Verantwortung wieder entziehen.

Mit diesem Konzept im Kopf zeigte sich rasch, dass nicht wenige Unternehmen solche Maschinen irgendwo unter ihren Sitzungstischen installiert haben. Solche Unternehmen schaffen es zuverlässig, effektiv und nachhaltig, die Resignation ihrer Mitarbeitenden zu steigern. Und das Spannendste: So unterschiedlich die Firmen sind, die Mechanismen zur Erhöhung der Resignation ähneln sich oft. Das Innenleben der Resignationsmaschine ist erstaunlich simpel: Sie ködert die Spieler mit dem Wunsch nach Unterstützung und lehrt, frei nach Martin Seligman, Hilflosigkeit.

Das erste Spiel am SGAOP Anlass führte relativ rasch ins resignative Verderben. Die Maschine provozierte die Testspieler mit Aussagen wie: «Viel verdienen und uns die Arbeit machen lassen». Die Resignation stieg stetig. Eine fast notfallmässige Pause bewahrte uns davor, dass sich die Resignation weiter ausbreitete. Gestärkt durch einen Apéro im Restaurant Volkshaus knackten wir die Resignationsmaschine in einer zweiten Runde, verlernten ihr die Hilflosigkeit und liessen sie Selbstwirksamkeit erfahren, was sich dann z.B. so anhörte: «Du nervst zwar (lieber Chef), aber ich sehe deinen Punkt.»

Eingesetzt werden soll die Maschine genau dort, wo sie auch erfunden wurde: Um Führungskräften differenziert und spielerisch den Spiegel hinzuhalten. Die Ideengebende GL jedenfalls hat Interesse an der Maschine angekündigt.

Stefan Heer (Vorstand sgaop)

PS: Ganz aus heiterem Himmel kam die Idee der Resignationsmaschine natürlich nicht. Kurz vor besagtem GL Workshop traf ich mich mit Markus Flückiger von Zühlke (im 2015 war er Gastgeber eines SGAOP Events). Er stellte mir seine Burnoutmaschine vor. Die Maschine treibt, man ahnt es, die spielenden Teams ins Burnout. Mehr infos dazu: https://starstoroad.com/blog/?p=1520.

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.