Neue Trends, Konzepte und Begriffe im Spannungsfeld von arbeits- und organisationspsychologischen Konzepten. Werden wir von Anglizismen überholt?!

Der letzte Event des Jahres beschäftigte sich in Zusammenarbeit mit Dr. Miriam Nido, Dr. Oliver Strohm und Prof. Dr. Toni Waefler, PartnerInnen des Instituts für Arbeitschforschung und Organisationsberatung (iafob) mit verschiedenen Span­nungsfeldern, Herausforderungen und Gestaltungskonzepten der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeitswelt.
Dazu wurden zunächst verschiedene Begriffe, Anglizismen und Ansatzpunkte dargelegt und eingeordnet.

digitizing, digitalizing: Voraussetzungen und Folgen

Die Frage, ob der alltägliche Gebrauch von Anglizismen oder die Digitalisierung zuerst den deutschen Sprachraum erreicht hat, gleicht der Frage nach dem Huhn oder dem Ei. Interessant ist jedoch, dass die englische Sprache im Hinblick auf das deutsche Wort „Digitalisierung“ durchaus eine Differenzierung vornimmt. Während ,digitizing’ leidglich den Transfer von analogen in digitale Daten bezeichnet, beinhaltet der Begriff ,digitalizing’ zusätzlich den Umgang und den Arbeitsprozess mit digitalisierten Daten. Anhand dieser Differenzierung ist der Stand der ,Digitalisierung, unterschiedlich zu beurteilen. Während heute die überwiegende Mehrheit verwendeter Daten bereits digital vorliegt, ist die Arbeitsweise mit diesen digitalen Daten in der Arbeitswelt erheblich heterogener.

Damit steht nicht die Bedienung der Maschine durch den Menschen im Zentrum. Vielmehr rückt die Interaktion innerhalb eines Netzwerks von Menschen und Maschinen ins erweiterte Blickfeld. Die für diese Betrachtungen erforderlichen Kompetenzen übersteigen Kenntnisse von Technik und Ergonomie. Das Verständnis der Verhaltensweisen von Menschen und Gruppen sowie von digitalisierten Abläufen und Arbeitsprozessen über Organisationsgrenzen hinaus wird grösser und erweitert damit u.a. die arbeits- und organisationspsychologische Relevanz.

Diese Tatsache führt dazu, dass für eine ganzheitliche Betrachtung bzw. bewährte arbeits- und organisationspsychologische Zugänge und Modelle der Analyse, Bewertung und Gestaltung ihre zentrale Bedeutung beibehalten. So viel Fotschritt und Neuheiten die Optionen des Digitalisierungszeitalters auch zu versprechen vermögen, werden diese Veränderungen nach wie vor auf den Gestaltungsebenen der Unternehmens-, Arbeits-, Beziehungsgestaltung Einfluss nehmen. In diesem Sinne bleibt beispielsweise die zielgerichtete Differenzierung der Gestaltung dieser verschiedenen Ebenen in traditionellen wie auch neuen Geschäftsmodellen für eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung eine wichtige Rahmenbedingung und Voraussetzung.

sich austauschen – sich entwickeln

In den folgenden Diskussionsgruppen (1) Mensch/Mitarbeitende/Personal, (2) Digitalisierung sowie (3) Veränderungsmanagement/Dynamisierung wurden auf dieser Grundlage sowie auf der Basis von verschiedenen Spannungsfeldern, Ansatzpunkte für eine zielgerichtete Rollenwahrnehmung als Arbeits- und OrganisationspsychologInnen in der betrieblichen Praxis reflektiert. Dabei wurde u.a. deutlich, dass die aufgezeigten Spannungsfelder durchaus vertraute Phänomene der TeilnehmerInnen darstellen. Bereits bekannte Paradoxien wie z.B. ein langfristiges Commitment als Teil einer nachhaltigen Arbeitsplatzkultur vs. immer kurzzyklischere Arbeits- und Berufsbiografien akzentuieren sich jedoch mit den schneller ablaufenden Entwicklungen zunehmend.
Unter diesen Bedingungen wird auch die Positionierung und Rollenwahrnehmung als Arbeits- und OrganisationspsychologIn durchaus anspruchsvoller wie auch der fach-bezogene Austausch wichtiger.

„Das allein fördert dich, wodurch dir Wege für deinen Austausch gebahnt werden.“
– Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller und Pilot

Schlussendlich sind es Fragen, Entwicklungen und Unsicherheiten, die keine abschliessenden oder gar einfachen Lösungen erlauben. Für die identifizierten Herausforderungen können durchaus verschiedene, situationsbezogene Lösungen und Prozessformen zielführend sein. Diese Fragen, Ansätze und Erfahrungen zu teilen, kritisch zu beleuchten, bzgl. ihren Chancen und Gefahren zu reflektieren, sind schlussendlich mit ein Beweggrund für solche Anlässe der sgaop.

In diesem Sinne danken wir an dieser Stelle nochmals herzlich Miriam Nido, Oliver Strohm und Toni Wäfler für die inhaltlichen Beiträge wie auch Eliane Obrist (Vorstandsmitglied in der sgaop und Mitarbeiterin des iafob) für die Initiative und die Organisation dieses anregenden Anlasses.
Die Zustellung des Foliensatzes zu der Veranstaltung kann bei der sgaop per email angefragt wrden.